German Open in Berlin: Betrachtungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu deutschsprachigen Turnieren

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    • German Open in Berlin: Betrachtungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu deutschsprachigen Turnieren

      Das Turnier fand an zwei Tagen in der Alten Feurewache, einem Hostel gegenüber vom geschichtsträchtigen Axel-Springer-Verlagshaus statt und damit quasi auf dem ehemaligen Mauer-Grenzstreifen.
      Es waren Spieler aus zwölf Ländern zugegen, eine Vielfalt, wie man sie sonst nur bei WMs oder anderen von WESPA oder MSI organisierten Turnieren vorfindet. Eine große Interessenfamilie, mit ausgesprochener Herzlichkeit, offen und aufgeschlossen - auch den "Neuen" gegenüber. So, wie wir es eigentlich gern haben und es auch gewohnt sind.
      Es wurde in drei (!) Räumen gescrabbelt - und damit sind wir schon bei dem ersten Unterschied. Diese organisatorische Herausforderung an die Ausrichter wurde gut gemeistert, auch durch "gleitende Startzeiten" für die einzelnen Runden.
      Der TD (Tournement Director) sorgte dafür, dass jeweils die Paarungen für zwei Runden im Aushang zu finden waren. So konnten die Spieler, welche Runde n hinter sich hatten, ihren Partner für Runde n+1 selbständig suchen und mit ihm das Spiel beginnen.
      Die notwendige Taktung wurde erreicht, indem die Paarungen zu jeder Runde mit einem Hinweis "Round n not starts after/before hh:mm" versehen waren.
      Dadurch hatte man es über weite Teile des Turniers mit einem sich selbst organisierenden Haufen zu tun, was bekanntlich gut funtionieren kann, wenn die einzelnen Mitglieder eine gewisse Selbständigkeit mitbringen - und das war offensichtlich der Fall. Der negative Aspekt dabei: In den Räumen herrschte zu den Stosszeiten (Beginn/Ende einer Runde) eine rege Betriebsamkeit.
      Sehr sympathisch fand ich die Regeln beim Anfechten von Wörtern:
      1. Pro Wort gab es als "Risiko-Einsatz" lediglich 5 Punkte. Folgerichtig wurde auch so häufig angefochten, wie man es bei unseren Turnieren selten erlebt!
      2. Obwohl die 5 Punkte als "penalty" definiert waren, sind sie eigentlich ein Bonus: Sie werden dem Anfechtenden nicht abgezogen, sondern dem Herausgeforderten zugeschlagen! Macht im Saldo zwar keinen Unterschied, wertet aber die Züge um n mal 5 Punkte auf!
      Professionell auch die E-Schiris (Software): Das Überprüfen wird erst gestattet, nachdem man angibt wie viele Wörter geprüft werden sollen. Räumt von vornherein einige Missverständnisse aus.
      Gespielt wurde duchwegs mit "Drehbrettern". Darunter gab es einige mehr oder wenier improvisierte Konstruktionen; quadratische, rotierende Bretter haben einen erweiterten Aktionsradius, der einem mitunter das eigene Bänkchen in Bedrängnis bringt ... Nicht meine Geschmacksrichtung. Habe alle Spiele "kopfüber" absolviert.
      Die Preise: Trotz einer einheitlichen Tabelle wurden die besten einer jeden "division" (A,B,C,D) gekürt, zusätzlich erhielten auch der Zweite und Dritte der A-Division einen Preis. Es wurden einige Sonderpreise ausgelobt, darunter das schönste gültige deutsche Wort. POSAUNE setzte sich durch, vor WIENERS und STOLLEN. Alle Preise waren Geldbeträge.
      Zu dem Spiel selber. Die sprachliche Komponente ist im internationalen Umfeld m.E. viel, viel geringer als im deutschen Scrabble-Raum. Das wissen wir ja spätestens, seit Nigel Richards 2016 das französichsprachige Turnier gewonnen hat.
      Einer der Teilnehmer (Annand, ein angenehm redseliger Holländer indischer Abstammung) bezeichnete es auch sehr treffend, als ein "letter pattern matching game", also ein Spiel mit Buchstabenmustern. Wie wichtig diese und deren Kenntnis sind, das musste ich am eigenen Leib (== in den eigenen Spielen) erfahren. Einige meiner Gegner schafften wunderbare Mauerwerke mit 2- und 3-Buchstabigen und hatten am Ende des Spiels an die 500 Punkte, ohne einen einzigen Bingo gelegt zu haben!
      Interessant: Der Punktedurchschnitt (774,4) liegt etwas unter jenem vergleichbarer deutschen Turniere, etwa Wolpertinger 2016 (776,3), St.Gallen 2017 (781.7) oder Scrabbinale 2015 (785.8). Und das trotz Bonus-Regel beim Anfechten!
      Eine mögliche Ursache: Die Punkte-Summe des englischen Buchstabensatzes beträgt 178 (100 Steine), jene des deutschen hingegen 202.