MAL ETWAS ANDERES...

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    • MAL ETWAS ANDERES...

      Funnyhanni's Traum - oder: Frust und Lust eines Scrabble-Lehrlings.
      Frei nach dem Monolog Goethes Faust, der in seinem Studierzimmer damit hadert den Dingen nicht auf den wahren Grund kommen zu können.


      Habe nun ach, die Scrabbelei,
      des Dudens unlogischen Wörterbrei,
      Gero's Wortliste mit Wangenglüh'n,
      durchaus studiert mit großem Bemüh'n.
      Da steh' ich nun ich armer Tor,

      und bin so klug als wie zuvor.

      Bin noch ein Lehrling - ein Anfänger gar
      und schiebe doch schon drei halbe Jahr',
      hinüber, herüber und quer und krumm,
      die Buchstaben auf dem Spielfeld herum
      und sehe, ich werde nichts wissen können!
      Das will mir schier das Herz verbrennen!



      Zwar bin ich gescheiter als anfangs ich war,
      kenne mehr Wörter als vor einem Jahr,
      auch weiß ich so manche feine Schliche,
      doch spüre ich oft innerlich diese Stiche,
      wenn Spiel um Spiel ich wieder verlier',
      rangier stets am Ende auf einem Turnier.

      Bild' mir nicht ein schon alles zu wissen,
      um endlich mal den Pokal zu küssen
      und Wörter auf Wörter, die nie ich gehört,
      werden von and'ren aufs Spielfeld geknört.
      So seh' ich mich Spiel um Spiel verlieren
      statt mal die Mitte im Klassement zu markieren.

      Auch merke ich oft dass ich nicht viel
      von dem behalten kann was sich im Spiel
      mir bietet und ganz wunderbar
      verwendbar wär', doch ein Glossar
      kann ich nicht speichern - das wär toll,
      denn leider ist mein Kopf schon voll!



      Im online-Spiel geht's freilich viel besser,
      da kommt so schnell kein Kolbenfresser.
      Es hilft mir auch gerne Wort-Suchen.de
      dass ich auf dem Bänkchen den Bingo seh',
      doch live und mit Zeitdruck ist es schon schwer
      da nützt nur der eigene Kopf zur Wehr.

      Auch hab ich kein Superhirn in meinem Kopf,
      und sammle nicht Wörter in meinem Kropf.
      Es möchte kein Hund so länger leben,
      drum werde ich mich der Magie ergeben,
      dass mir durch Geistes Kraft und Mund
      so manch Geheimnis werde kund.

      Dass ich nicht mehr mit saurem Schweiß
      zu lesen brauch, was ich nicht weiß,
      dass ich erkenn' was mich im Spiel
      unschlagbar macht - das wär der Deal!
      Und wär's auch mehr als noch verweg'ner,
      dass ich besiege alle Gegner!

      Oh sähst du, voller Mondenschein
      zum letzten Mal auf meine Pein,
      den ich so manche Mitternacht
      hier am PC herangewacht.
      Dann über Büchern und Papier
      trübsel'ger Freund, erschienst du mir.

      Ach! Könnt ich doch bald alles wissen
      und keine Wörter mehr vermissen.
      Könnt' immer viele Bingos legen
      und Punkte sammeln, zu belegen,
      dass ich der Allerbeste bin,
      nur danach steht mir doch der Sinn.

      Doch weh, sitz' ich denn immer noch
      in diesem allertiefsten Loch,
      wo nie des Sieges Sonne scheint,
      wo Trauer sich mit Elend eint,
      wo Niederlagen am Stück angehäuft
      mir jede Freude am Scrabble ersäuft.

      Drum nehm ich diesen alten Band
      von Nostradamus eigner Hand
      und mache ihn mir zum Geleit,
      damit der Geist mich rasch befreit
      aus diesem tiefen Jammertal
      und mir erspart die weit're Qual.

      Denn nun bedien' ich mich der Kunst,
      die Nostradamus aus dem Dunst
      uralten Wissens destilliert,
      und dieses Buch hat illustriert
      um freie Mächte zu bezwingen,
      in ew'ge Finsternis zu dringen.

      Ah - welch Wonne fließt durch meineSinne,
      auf dass der Geister Tanz beginne
      und mir das Wissen näher bringt,
      um welches jeder Spieler ringt,
      um Spiel auf Spiel nun zu gewinnen,
      kein Sieg wird jemals mir entrinnen.

      Bin ich ein Gott? Mir wird so leicht,
      jedwedes Hindernis entweicht.
      Jetzt erst erkenn ich diese Sphäre
      in der mein Hirn sich nunmehr kläre.
      Der Geister Welt ist nicht verschlossen,
      Auf - Schüler - lerne unverdrossen!

      Wie wirkt dies Zeichen auf mich ein!
      Schon glüh' ich wie von jungem Wein!
      Du, Geist des Scrabble, bist mir näher,
      schon fühl ich meine Kräfte höher
      und spüre Mut mich ins Turnier zu wagen,
      kein einzig Mal muss ich mehr klagen.

      Nun spür ich dich - gesuchter Geist,
      wie mir die Sinne du umkreist.
      Spür deine wunderbare Kraft,
      die mir mein neues Wissen schafft.
      Ich fühl's - du schwebst um mich,
      erflehter Geist enthülle dich!

      Der Himmel wölkt sich über mir,
      des Mondes Licht verbirgt sich hier,
      schon zucken rote Strahlen mir ums Haupt,
      und feuchter Nebel mir den Atem raubt.
      Nun weht ein kalter Schauer mir
      herab den Rücken - es grauet mir!

      Ha! Wie's in meinem Herzen reißt.
      Wie's mein Gehirn mir schier zerreißt.
      Zu unbekannten Hochgefühlen
      all meine Sinne sich erwühlen...
      Ich fühle ganz mein Innerstes dir hingegeben...

      du musst, du musst... und koste es mein Leben!

      Wer ruft nach mir?...spricht Ben
      .

      © Hannes Dworak ;)