3.1.2 Akzeptieren eines Zuges

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    • 3.1.2 Akzeptieren eines Zuges

      Beim Krifteler Eintagesturnier wurde folgender Streitfall vom Frankfurter Treff berichtet:

      Spieler A legt ein Wort, schreibt es auf, verkündet Punktzahl und drückt die Uhr. Spieler B fängt an die Punktzahl aufzuschreiben. Nachdem er einen Strich gezeichnet hat (was man wohl als ersten Teil der Ziffer lesen konnte, aber eindeutig noch nicht die komplette Zahl darstellte) möchte B noch anzweifeln. A ist der Meinung durch den Beginn der Schreibbewegung sei das Akzeptieren bereits geschehen.

      Wie würdet Ihr entscheiden.

      Die Regel lautet:

      3.1.2 Akzeptieren des Spielzugs
      Der Spielzug ist akzeptiert, wenn der Gegenspieler die Punktzahl auf dem Wertungsbogen notiert hat oder seit Drücken der Uhr 20 Sekunden vergangen sind. Der Spieler darf nun seine zu ersetzenden Buchstaben nachziehen.

      Frage ist nun also... lesen wir "volle Punktzahl" in die Regel rein, oder genügt uns die erste Schreibbewegung? Ich denke für beide Ansichten gibt es gute Gründe. Was meint Ihr?
    • @Johann: Ob ich das so eindeutig finde? Da ist eine Zahl vielleicht schon lesbar - aber der Notierer sagt: "Der letzte Strich ist noch nicht fertig, den wollte ich noch ein bisschen länger malen" ... und dann?

      Argumente, die man heranziehen könnte, um bereits den Beginn des Schreibens als Fristende zu verhaften:

      - Wenn ich anzweifle, gibt's nichts zu notieren. Das Füllen des Feldes (auch mit nur einem Strich) ist also ein Vorgang, den es gar nicht geben dürfte ...
      - Es gibt die Vorgänge "Notieren" und "Anzweifeln". Man könnte auch sagen, dass ein begonnener Vorgang (hier das Notieren) erst beendet werden muss, ehe man eine neue Aktion tätigen kann.

      Ich denke also schon, dass hier ein gewisser Intepretationsspielraum gegeben ist.
    • Ich habe bei der Formulierung dieser Regel mitgewirkt und denke, wie der beteiligte Johann (Georg): Es ist "selten" klar formuliert: "... die Punktzahl notiert ist."


      Wir haben dabei an verschiedene Szenarien gedacht; insbesondere daran: Wenn immer die beiden Spieler sich nicht einig sind (aus Unkenntnis der TSO oder aus "Auslegungsdifferenzen" derselbigen), wird (und sollte!) ein Schiedsrichter dazu gezogen werden. Und ihm woll(t)en wir Rechtssicherheit geben. Er wird möglicherweise verschiedene Versionen über den Hergang hören und aus dem, was er zu hören bekommt, nicht eindeutige Schlüsse ziehen können; aber: Er kann zweierlei eindeutig feststellen: (a) Ist die Uhr angehalten und sind auf ihr bereits die Symbole der "mehr als 20 Sekunden" zu sehen. Dann ist er sicher: Diesem Einspruch darf nicht stattgegeben werden. (b) Hat der Spieler, der nun anzweifeln möchte, die Punktzahl bereits notiert oder nicht. Und hier schaut er nach einer (in seinen Augen!) vollständigen Notierung. Diese kann durchaus "fehlerhaft" sein (schwer leslich, Zahlendreher, etc.). Ist es in den Augen des Schiedsrichters eine Notation der Punktzahl, dann hat er wiederum Sicherheit. Ist es nicht vorhanden, befindet sich dort z.B. die Andeutung eines Zeichens (vielleicht der Anstrich einer ersten Ziffer), dann reicht das nicht. Steht dort eine Punktzahl, die anschließend durchgestrichen wurde o.ä., ist die Situation für den Schiedsrichter erneut klar: Nach der Notation ist diese nicht zurücknehmbar.


      Anders gesagt: Der Beginn des Schreibprozesses ist nicht die Ausführung der vollständigen Notation. Vollständige Notation ist erreicht, sobald z.B. der aussenstehende Schiedsrichter ihr die Punktezahl entnehmen kann: Es ist nicht die Frage nach der letzten Serife oder - im Deutschen üblich - ob der Querstrich durch die 7 platziert wurde.


      Vektor schlägt ein paar mögliche Änderungen vor, die aber ein völlig neues Licht auf die Vorgänge werfen: Z.B. "Begonnene Vorgänge müsen erst beendet werden, bevor ...". Wann hat ein Vorgang "angefangen": Griff zum Stift sicher nicht; Berührung des Stiftes mit dem Papier? Oder erst, wenn eine deutliche Spur sichtbar ist? Und warum darf ich nicht "Zeichen" auf mein Protokoll "malen"? Ist das ein Vorgang, den es gar nicht geben dürfte?


      Ich halte die TSO § 3.1.2 für hinreichend, insbesondere aus der Sicht eines Schiedsrichters, der - später dazukommend - aus den vorliegenden "Daten", die er in Augenschein nehmen kann, entscheiden muss.