die Restbank im Fokus

    • Der naheliegendste und punktreichste Zug ist K6 MÄSTEN mit 32 Punkten.
      Schön ist auch J5 INTIMÄ mit 27 Punkten.
      Freunde des Mauerbaus denken vielleicht an 7G SÄN mit 24 Punkten.

      Der beste Zug laut Quackle unter Berücksichtigung der Restbank ist aber das unscheinbare H8 HÄ für nur 8 Punkte. Damit wird Wahrscheinlichkeit eines Bingos im nächsten Zug maximiert.
      Dieser Zug erreicht eine Bewertung von 49,6, während MÄSTEN nur auf 23,7 kommt.

      Es lohnt sich also, alles für eine bingofreundliche Restbank zu tun, auch wenn man im nächsten Zug dafür ein paar Punkte opfert. Das gilt besonders am Anfang des Spiels, wo das Brett noch Platz für Bingos bietet, und ein früher Bingo strategisch vorteilhaft ist, weil man dann später kein Risiko eingehen muss und das Brett mit defensiven Zügen blockieren kann.

      Johannes

      Am 18.März beginnt mein Scrabble-Kurs an der VHS Hof:
      vhs-landkreis-hof.de/index.php…er+Anfaenger+und+Experten

      Ich bin gespannt, ob sich Interessenten hier in der Region finden..
    • Sehr interessante Aufgabe, mit einer grds. richtigen Lösung.
      Lass mich aber dennoch einen Hauch Wasser in den Wein kippen, denn wie so oft im Sport ist das richtige Werkzeug für den Profi fatal für den Neuling.

      Ein Beispiel: meine Schwester spielt sehr gerne Discgolf, eine Art Golf mit Frisbees. Nun gibt es Profifrisbees und Anfängerfrisbees. Mit den Profifrisbees erreicht der Profi Weiten von 200, 300 m. Der Anfänger kann die Frisbee, die viel stärker auf falsche Handhabung reagiert nicht beherrschen, und wird sie viel häufiger komplett verreissen und grade vor sich auf den Boden schmeißen, obwohl er mit einem weniger anspruchsvollem Modell für ihn ordentliche 50m erreichen würde. So ähnlich kommt es mir hier vor: Ein Neuling wird Schwierigkeiten haben den Vorteil des Zuges, den du vorschlägst in die grundsätzlich mögliche Punktzahl umzumünzen:

      HÄ ist ein hervorragender Zug, für den Spieler mit einer perfekten Wortkenntnis, und ich denke ich würde es (neben SÄ) vielleicht auch in Erwägung ziehen. Für den guten Spieler ist es wert auf 24 Punkte zu verzichten, um durch einen Scrabble eine deutlich höhere Punktesumme zu erzielen. Ich halte sehr viel davon sehr stark auf die Restbank zu achten und mache es selbst ausgesprochen stark, gleichwohl warne ich davor für jeden Spieler HÄ als perfekten Zug zu präsentieren, auch aus meiner Erfahrung aus dem englischsprachigen Scrabble, wo sich mein gutes Rackmanagement oft nicht bezahlt macht, einfach weil ich die dann möglichen Bingos nicht im selben Maße kenne wie im Deutschen.
      Denn der Spieler muss mit dem großen Vorteil, den er durch das Opfer von 24 Punkten erhält auch umgehen können.

      Bei Spielern mit einer schwächeren Wortkenntnis wird nämlich in sehr vielen Fällen keine höhere Punktsumme folgen, sondern er hat erst einmal schlicht 24 sichere Punkte weniger. Der Rest MEINST lebt davon, dass eine ausgesprochen hohe Zahl an Bingos damit möglich sind, allein 26 siebenbuchstabige Wörter sind es (bei den 8ern wird es ähnlich aussehen). Bei 16 (von 29 möglichen) Buchstaben habe ich einen Scrabble, von den Buchstaben die nicht gehen, sind fast alle nur 1 oder 2 mal im Sack vorhanden. Meine Chancen sind also immens!
      Nun muss man die Scrabble aber erst einmal a) kennen und b) finden.

      Schauen wir uns mal die 26 Wörter genau an. Ich habe sie nach meiner ganz persönlichen Einschätzung danach bewertet ob Sie für einen ordentlichen Neuling zu finden sind: + für leicht zu finden, / für evtl., wobei er sich bei einigen nicht ganz sicher sein wird (z.B. ob es tatsächlich MISTEN gibt, und nicht nur ausmisten) und solche die allgemein nur mit Lernerei beherrschbar sind. Die Einschätzung ist rein subjektiv, aber ich denke die meisten Spieler werden zu ähnlichen Ergebnissen kommen:

      Mit A: ETAMINS (-), SAMNITE(-)
      Mit B: BIMSTEN (+)
      Mit D: MISTEND (/)
      Mit E: MEINEST (+), MEISTEN (+), MIETENS (+), SEMITEN (/), STIEMEN (-)
      Mit G: STIGMEN (/)
      Mit H: ISTHMEN (-)
      Mit I: INTIMES (+), SEMITIN (/)
      Mit L: MISTELN (+)
      Mit M: MIMSTEN (-), STIMMEN (+)
      Mit N: MINNEST (/)
      Mit O: MITOSEN (/)
      Mit P: PIMENTS (/)
      Mit R: TRISMEN (/), TERMINS (+)
      MIt S: MISSTEN (+), MISTENS (/), SIMSTEN (/)
      Mit T: ENTMIST (/)
      Mit Z: ZIMENTS (-)

      Das Ergebnis ist eindeutig: Ein durchschnittlicher Spieler wird nur mit einem B, einem E, einem I, einem L und einem S einigermaßen sicher auf einen Scrabble kommen. Besonders reizvoll an diesen Wörtern ist auch der Umstand, dass fast alle 7er nur eine Möglichkeit bereithalten: Ich sehe ENTMIST oder habe keinen Scrabble. Daraus folgt, dass für besagten Spieler deutlich ungewisser ist, ob sich das Opfer lohnt.

      MÄSTEN würde ich zwar dennoch nicht legen (ich behalte nur das I allein, und habe überhaupt keine Kontrolle über das Bänkchen und mein Gegner kann es leicht teuer verlängern)), aber bei INTIMÄ (starker Rest von ES; ordentliche Punktzahl, keine Verlängerung für den Gegner) oder auch SÄ (weniger Punkte aber wenigstens einige, dabei immer noch ordentliche Restbank von TIMEN) punkte ich auch noch ganz ordentlich, aber mache mich nicht ganz so stark davon abhängig was ich ziehe, und den Bingo dann auch erkenne.

      Daher sollte man immer auch überlegen wie gut man seine Wortkenntnis selbst einschätzt, und jemanden der noch nicht alle 7er mit MEINST "draufhat" würde ich durchaus empfehlen, sich über die 32 einfachen Punkte zu freuen. Denn wenn ich diese "Profistrategie" mehrere Züge hintereinander anwende, kann es passieren, dass ich 2-3 x hintereiander nur wenige Punkte mache, obwohl ich als Neuling schon längst für mich ordentliche 80, 90 Punkte hätte erzielen können.
    • Süper Ben, jawohl, die Abwägung zwischen Punkten und gutem Restbänkchen muss man sicherlich entsprechend seinem Wortwissen machen. Quackle rechnet ja unter der Annahme eines vollständigen Wortschatzes.

      Jeder Zug ist ein Jonglieren mit X verschiedenen Wörtern in Anbetracht Ihrer Punktzahl, der Restbank, der Defensive/Offensive auf dem Feld, den restlichen Buchstaben im Sack, der passenden Strategie je nach Spielstadium und dazu noch mit einem Zeitlimit.
      Das ist manchmal ganz schön komplex und der beste Zug ist kaum zu finden.
      Deshalb schaue ich mir manche Spiele hinterher in Quackle an und komme so auf ganz neue Ideen.
      Der gedankliche Schritt, statt 32 Punkten nur 8 zu machen um den nächsten Zug zu optimieren, ist schon ziemlich krass. Ein paar Punkte opfert jeder mal für eine gute Bank, aber bei 25 -30 ist wohl langsam die Grenze für einen menschlichen Spieler erreicht.

      Mich hat dieses Beispiel an die Wichtigkeit erinnert, immer an die Restbank zu denken, und daran, die Möglichkeit überhaupt in Betracht zu ziehen, auf dem Brett nur ein popeliges 2-buchstabiges Wort zu legen.
    • Nur eine kurze Anmerkung zu den vorstehenden (interessanten) Ausführungen:

      Neben den von Ben benannten 7ern ergeben sich freilich mit einem beliebigen nachgezogenen Buchstaben je nach zwischenzeitlich erfolgtem Zug des Gegners reichlich Möglichkeiten für einen achtbuchstabigen Scrabble - auch das wird Quackle mit einberechnen, und ohne es konkret überprüft zu haben, wird sich doch die Anzahl der möglichen Bingos (und damit auch der, die für Anfänger/Durchschnittsspieler einfach zu finden sind), zweifellos erhöhen, insbesondere bei einem längeren Wort des Gegners.

      Der HÄ-Zug wird damit vielleicht auch für Ben noch etwas verständlicher :)